Grunewalder Geistesblitz

Ulrike Schamonis ABSCHIED VON DEN FRÖSCHEN

Ein alter Flossen-Mercedes, der in ausgelassenem Slalom zu einem Walzer über einen Sandstrand rast – Überschwang und Lebensfreude gehörte bei Ulrich Schamoni immer dazu. Die Strandszene aus Chapeau Claque darf in Ulrike Schamoni Film über den 1998 verstorbenen Vater natürlich nicht fehlen. Denn genau dieser verspielte Übermut ist es, der heute die Faszination von Schamonis Filmen (Es) ausmacht. Die drögen Erfordernisse von political correctness oder auch nur Erzähleffizienz waren nicht seine Sache. Viel lieber folgte er den spannenden Abzweigungen und Nebenwegen. Für sein Video-Tagebuch legte Schamoni die letzten narrativen Zwänge ab. So entstand eine wahrhaft wilde Melange aus Geistesblitzen, Selbstanalyse und schlichtem Blödsinn. Mit dem wachen Blick der Fotografin hat Ulrike Schamoni die Bildwelt ihres Vaters zu einem prallen Porträt verdichtet. In Erinnerung bleibt ein Mann, der in Overall und Holzpantinen durch seinen wilden Garten stapft, dabei die immer etwas zu tief stehende Kamera im Blick Kommentare improvisierend, wie sie Drehbuchautoren in Deutschland nur noch an hohen Feiertagen durchs Hirn geistern: „Gott gibt uns die Nüsse, knacken müssen wir sie alleine!“

© Nicolaus Schröder, TIP 2012

 

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