Woche des Jüngsten Deutschen Films

Momentaufnahme des Jungen Deutschen Kinos 2007

von Alfred Holighaus und Nicolaus Schröder

„Der deutsche Film kann gar nicht besser sein“ nannte Joe Hembus 1962 seine Bestandsaufnahme des westdeutschen Films, die eines deutlich machte: Es gab noch viel zu tun. Doch heute, 45 Jahre später, scheint der deutsche Film wirklich „gar nicht besser“ sein zu können.

Grund genug für die Deutsche Filmakademie im Rahmen der Veranstaltungsreihe BEGEGNUNGEN IM KINO in Berlin und München „Die Woche des Jüngsten Deutschen Films“ zu organisieren. Dazu haben die Berliner Filmpublizisten Nicolaus Schröder und Alfred Holighaus ein Programm mit Diskussionen und Filmen konzipiert, bei dem zwischen 12. und 17. November 2007 und dann in einem zweiten Teil im März 2008 die Entwicklungen der letzten zehn Jahre im Mittelpunkt stehen. Einige der Protagonisten der aktuellen Blüte des Jüngsten Deutschen Films und ihre Arbeit sollen ebenso vorgestellt werden wie auf Podiumsdiskussionen Fragen zum Stand der Dinge diskutiert werden.

Die Filme der jüngsten Generation erzählen ihre Geschichten schnörkellos, ohne Larmoyanz und sozialtherapeutischen Gestus, sie beschäftigen sich mit der jüngsten Vergangenheit, erzählen von Migrantenkindern, wahnhaften Wahrnehmungen und immer wieder vom Leben und den Lieben der eigenen Generation. Der Dramaturgie fehlt jeder Zwang zu Konfliktlösung und Happyend. Manchmal sind Bezüge zum europäischen oder amerikanischen Independentkino unübersehbar, oft jedoch dominieren ganz eigenständige Angänge, bei denen zum Teil disparate Stilmittel verwendet werden.Immer wieder bleiben fast dokumentarische anmutende Bilder in Erinnerung. Der Kamera fehlt jeder auftrumpfende Gestus. Hier protzt kein schwungvoll geführter Kran, keine endlose Schienenfahrt und auch kein Helikoptershot. Erzählt wird mit Blicken, mit Momenten, die Banales abbilden und gerade dadurch unglaublich genau beschreiben. Auch beim Szenenbild fällt die Genauigkeit auf, mit der die Anforderungen des Stoffs umgesetzt werden. Den Szenenbildnern geht es nicht um die zur Schaustellung von production value. Viel mehr geht es darum, mit wohl kalkulierten Mitteln, Akzente zu setzen, die manchmal ganz neue Perspektiven ermöglichen.

Die Fähigkeit Ambivalenz auszuhalten und als besondere Qualität zu verstehen, scheint diese Filmgeneration auszuzeichnen.Auffällig viele Frauen stehen hinter der Kamera, auffällig auch, dass bei der Kamera und auch beim Szenenbild in den Credits immer wieder dieselben Namen auftauchen. Die neue Generation ist gut vernetzt. Dies alles führt zu einem stilistischen Zusammenhalt, den der Neue Deutsche Film in dieser Ausprägung höchstens in den 60er Jahren einmal gehabt hat.

Die Filmreihe im Rahmen der Woche des jünsten deutschen Films versucht diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Doppelprogramme präsentieren die Protagonisten des jüngsten deutschen Films. Eingeladen ist zum Beispiel der Regisseur und der jeweilige Kameramann oder Szenenbildner. Der zweite Films des Abends ist eine Arbeit des Kameramanns/Szenenbildners bei einem anderen Vertreter der Neuen Generation, der wenigstens manchmal beim Folgedoppelprogramm zu Gast ist. Im Gespräch zwischen den Filmen geht es um Maßstäbe und Vorbilder für die eigene Arbeit, um zukünftige Projekte und das eigene Selbstverständnis als Filmemacher.

Deutsche Filmakademie

Diskussionsbeiträge der Veranstaltung in München, November 2007